Covered Call auf Boeing

Covered Call auf Boeing. Einstieg in Schwäche, aktuell Monetarisierung erhöhter Volatilität bei weiterhin bestehendem Bullcase.

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Covered Call auf Boeing
Photo by Sven Piper
Covered Call
Basiswert Boeing (BA)
Einstandskurs 160 USD
Option
Eröffnung 24.04.2026
Strike 255 USD
Abstand zum Kurs 8,8%
Verfall 15.05.2026
Vereinnahmte Prämie 1,76 USD
Annualisierte Rendite 18,3%

Die zugrundeliegende Aktienposition stammt aus einer Put-Zuweisung vom 20.09.2024 auf 160 USD. Der Einstieg lag damit in einer Phase, in der Boeing operativ stark unter Druck stand und der Markt dieses Risiko konsequent eingepreist hat. Auslöser war unter anderem die Entwicklung rund um den Earnings Call Ende Juli 2024, der die strukturellen Probleme offen sichtbar gemacht hat. Produktionsqualität, interne Prozesse und regulatorischer Druck standen im Fokus. Der Kurs fiel auf Niveaus, die zuletzt etwa zwei Jahre zuvor gesehen wurden.

Der Einstieg war daher kein Timing-Versuch im klassischen Sinne, sondern eine bewusste Entscheidung für ein asymmetrisches Setup. Ein global dominanter Hersteller in einem Duopol, kombiniert mit einem historisch schwachen Sentiment. Boeing ist neben Airbus einer der zwei zentralen Akteure im zivilen Flugzeugbau, ergänzt durch ein bedeutendes Verteidigungs- und Raumfahrtgeschäft. Diese strukturelle Stellung begrenzt langfristig das Downside-Risiko, auch wenn kurzfristige Probleme erheblich sein können.

Seitdem ist die Situation gemischt. Operativ gibt es weiterhin Herausforderungen. Insbesondere die Produktion der 737-Reihe bleibt ein kritischer Punkt, sowohl in Bezug auf Qualität als auch auf Skalierung. Die FAA-Aufsicht ist streng, und jede Abweichung hat direkte Auswirkungen auf Auslieferungen und Cashflow. Gleichzeitig existiert ein massiver Auftragsbestand, der über Jahre hinweg Planungssicherheit schafft. Airlines weltweit benötigen neue Flugzeuge, sowohl aus Effizienzgründen als auch aufgrund steigender Nachfrage im Luftverkehr.

Der Einstieg ist rot markiert (09/24)

Hinzu kommt die strategische Bedeutung für die USA. Boeing ist nicht nur ein Industriekonzern, sondern auch ein sicherheitspolitisch relevanter Akteur. Das Verteidigungsgeschäft stabilisiert Teile des Geschäftsmodells, auch wenn es selbst nicht frei von Problemen ist. Diese Kombination aus zyklischem zivilen Geschäft und staatlich geprägten Aufträgen führt zu einer besonderen Risikostruktur, die sich deutlich von klassischen Industrieunternehmen unterscheidet.

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Boeing bleibt ein strukturell relevanter Player. Kurzfristige Probleme ändern nichts am langfristigen Bedarf.

Chartseitig ist die Ausgangslage heute eine andere als beim Einstieg. Damals war die Aktie klar abgestraft, heute bewegt sie sich wieder auf einem relativ hohen Niveau. Historisch gab es zwar deutlich höhere Kurse, insbesondere vor etwa sechs Jahren, aber in der jüngeren Vergangenheit lag das Niveau mehrfach im Bereich um 270 USD. In diesem Kontext wirkt die aktuelle Bewertung nicht mehr eindeutig günstig. Sie ist eher als Übergang zwischen Erholung und möglicher Überdehnung zu interpretieren.

Genau hier setzt der Covered Call an. Ich halte die Aktie weiterhin bewusst, da der langfristige Case intakt ist. Gleichzeitig sehe ich kurzfristig kein sauberes, risikoarmes Upside-Profil. Die operative Lage ist noch nicht stabil genug, um eine lineare Neubewertung zu rechtfertigen. Stattdessen erwarte ich eher ein Umfeld mit Rücksetzern, Nachrichtenrisiken und erhöhter Volatilität.

Der verkaufte Call ist damit ein Instrument zur Monetarisierung dieser Unsicherheit. Ich gebe bewusst einen Teil der möglichen Upside oberhalb von 255 USD ab und erhalte dafür sofort Cashflow. Sollte die Aktie darüber hinaus steigen und ausgebucht werden, ist das ein akzeptiertes Ergebnis, auch wenn es nicht das primäre Ziel ist. Die Strike-Wahl reflektiert genau diesen Kompromiss zwischen Prämie und Haltedauer.

Interessant ist dabei auch die implizite Volatilität. Boeing gehört zu den Werten, bei denen unternehmensspezifische Risiken regelmäßig zu erhöhten Optionsprämien führen. Für Covered Calls ist das strukturell vorteilhaft. Man wird für das Abgeben von Upside vergleichsweise gut bezahlt, insbesondere in Phasen erhöhter Unsicherheit.

Der Trade ist somit kein isolierter Income-Trade, sondern Teil einer übergeordneten Positionsführung. Einstieg in Schwäche, Halten während der operativen Klärungsphase und paralleles Generieren von Prämien. Keine Prognose darüber, wann die Probleme vollständig gelöst sind, sondern ein Setup, das auch in einem seitwärts oder leicht volatilen Markt funktioniert.

Entscheidend bleibt, wie sich die operative Umsetzung bei Boeing entwickelt. Produktionsstabilität, Lieferkettenkontrolle und regulatorische Freigaben sind die zentralen Hebel. Sollte hier nachhaltig Fortschritt sichtbar werden, verschiebt sich auch die Bewertungsspanne nach oben. Bis dahin bleibt der Covered Call ein pragmatisches Werkzeug, um Rendite aus der bestehenden Position zu ziehen, ohne die grundlegende These aufzugeben.